Die Großen … und die Kleinen.  Twittergedanken.

Frage: Warum werden Tweets immer allgemeinpopulärer, warum gibt es Fav- und Retweetgeilheit?

Was genau bei Twitter dazu führt, dass bestimmte Menschen viele „follower“ haben, andere hingegen weniger ist eine Frage, die viele Marketingexperten ins Grübeln stürzt. Eigentlich ist es aber völlig egal WIE die Mechanismen funktionieren. Wichtiger ist, DASS sie funktionieren, Anlass zur Spekulation und Nachahmung bieten. Die Tweets bekommen zunehmend allgemeinen Charakter, es wird immer versucht einen GUTEN Tweet zu schreiben, immer seltener wird versucht sich selbst wirklich einzubringen, etwas von sich selbst widerzuspiegeln in die Welt hinter den Monitor hinein. Fakt ist: Wer von vielen gelesen wird hat einen größeren Spielraum bei Twitter. Nur dann nämlich gibt es viele Antworten, aktive Kommunikation oder gar Hilfe von außerhalb wenn private Probleme auftauchen. Und wer bekannt ist wiederrum bestimmt mit was läuft. Das Phänomen ist nicht neu und wurde erst kürzlich in der bekannten Hackergruppe Anonymous  diskutiert. Es sind die einzelnen Großen die bestimmen welche Themen in sind, und so letztendlich Politik machen – und das obwohl Twitter keine Diktatur ist, sondern im ureigensten Sinne demokratisch auf Angebot und Nachfrage fundiert. Wer interessantes anbietet, hat einen größeren Kreis an Verehrer. Talente, private Kontakte oder bestimmte Themen können dazu beitragen populär zu werden.

Populär zu sein ist nicht unbedingt das Ziel aller Twitterer, ist aber eins der ureigensten Phänomene dieses Dienstes, ausgelöst durch diverse Berühmtheiten, die über Twitter ihre Fans in ihr Privatleben Einblick erlaubten. Twitter funktioniert nicht ohne eine gewisse Beliebtheit. Wer nicht gelesen wird nimmt nicht teil an der sozialen Plattform, die am Anfang eigentlich gar keine ist. Es gibt keine allgemeinen Diskussionen – oder wenn doch sind sie so groß dass einzelne Stimmen in der Masse völlig verblassen. Es gibt auch keine Haltezeit von Nachrichten. Sie sind kurz nach ihrer Bekanntgabe verschwunden, es sei denn jemand sucht gezielt nach dem was eine bestimmte Person geschrieben hat oder ist bereit viele Nachrichten zu lesen, um sich über Geschehnisse / Themen des letzten Tages zu informieren. So ist es auf Twitter anfänglich SEHR einsam. Gerade für Neulinge. Facebook und Co sorgend dafür, dass reale Freunde schnell verknüpft werden. Unter Twitter findet man sich häufig nur unter dem Nickname. Schaut man das erste Mal in diesen unsozial wirkenden Dienst herein dann ist dort nichts. Keine Texte, keine öffentlichen Informationen, kein Interesse. Erst muss man diversen Personen folgen, lesen was sie schreiben. Schreibt man selbst etwas liest es niemand – man hat eben noch keine follower. Das ändert sich zwar bald, doch bleibt der Trend bestehen: Ich brauche viele Menschen die meine Texte lesen. Erst dann kann ich in Twitter agil sein, muss mich nicht mehr nach jeder Möglichkeit umschauen meine Gedanken anzubringen.

Wer schreibt, der schreibt schließlich selten nur für sich. Kunst als solche braucht zwar kein Publikum, sie ist nicht abhängig, der Künstler aber schon. Insofern nämlich, dass ohne Applaus kein Stück lange aufgeführt wird. Die Motivation, das Selbstbewusstsein, sie verschwinden. Warum auch schreiben wenn niemand liest? Niemand reagiert? Für mich allein kann ich das auch in einem Tagebuch tun. Ohne dass mit immer wieder Nachrichten in die Timeline geworfen werden wie „50 Sterne hat XY bekommen für DIESEN TWEET:“. Oder „Bitte mal vollmachen … DIESEN TWEET“ was so viel heißt wie: Man soll ihn favorisieren. Viele Sterne werden bei favstar.fm gesammelt und angezeigt. Aus Prestigegründen. Was man auch wieder sieht, als ungelesener, sind Tweets die 100t fach weitergetweetet werden – obwohl sie gar nicht mal so klug sind oder gar alte Ideen beinhalten. Oder dass Nutzer berühmt bleiben obwohl sie nur noch Schrott schreiben, in ihrer Schreibqualität, ihrem Unterhaltungswert oder was immer sie einmal bekannt gemacht hat, längst nicht mehr ausgefeilt agieren.

Twitter ist an sich also eine völlig unsoziale Gesellschaft, das auszugleichen versuchen viele durch persönliche Kontakte, durch Anknüpfungen an Themen, durch direkte Kommunikation mit anderen. Doch geht auch das nur, wenn man gelesen, wenn man wahrgenommen wird für das was man macht.

Um wahrgenommen zu werden schreibt man Tweets von denen man glaubt, sie seien gut, sie seien allgemein, sie würden das Publikum begeistern. Man sammelt Sterne, Retweets und hofft so auf mehr follower zu kommen um endlich auch mal aktiv ein Mem mitzugestalten oder einfach mal Antwort zu bekommen auf das was man so schreibt. Die Tweets werden immer allgemeiner, immer populärer gestaltet, immer in dem Versuch zu gefallen. Ich selbst zu sein ist uninteressant wenn ich selbst uninteressant bin für die Masse, die dem folgt, was die großen Ansagen, was sie weitertwittern, was sie vorschlagen oder auslösen. Als nächstes werde ich vielleicht weiblich sein auf Twitter … ich glaube, das kommt besser an … egal was man schreibt.

Dass er eines Tages klassische Liebesgedichte schreiben würde, hatte der Poet nicht gedacht. Sicher, er hatte schon viel erlebt und auch so manches Mal sich überreden lassen schnulziges  zu verfassen, doch Kitsch, da war er sich sicher, käme ihm nicht aufs schneeweiße Papier. Nicht nur, dass er nicht gewollt hätte. Es fehlte ihm auch dieses gewisse Etwas. Er konnte Kitsch nicht so sehen, wie er alles andere sah. Halb blind musste er zwar wieder und wieder seine dicken Brillengläser vom lästigen Staub befreien, und auch dann blieben dort Flecken zurück, doch danach konnte er in der Welt sehen, was nicht viele andere sahen. Das war es auch, dass in zu einem Poeten gemacht hatte. Es war Schmerz gewesen, der sein erstes Gedicht aufs Papier geworfen hatte. Schmerz in den Augen, den niemand sah – außer ihm.

Dort, auf dem Papier, hatte das Gedicht  gelegen und ihn schelmisch angefunkelt, als wollte es sagen "Hier bin ich, sieh zu wie du mit mir zurechtkommst". Lange Zeit hatte es gedauert bis er verstehen konnte was geschehen war und als er  Begriff lagen neben dem ersten Gedicht ein zweites, ein drittes - bald führte er Strichlisten um sie noch zählen zu können. Irgendwann hatte die Eitelkeit nachgelassen, das Zählen war unwichtig und Gedichte waren wie Atemzüge zu lebensnotwendigen Kleinigkeiten geworden. Er schrieb über alles: die Welt, Trauer, Sehnsucht, Götter und Engel, Menschen, Wolken, Sandstrände, Erinnerungen und sehr selten auch über die Liebe, tragische Liebe, versteht sich. Er schrieb eben über das was er sah. Natürlich sah er auch Glück. Gerade im Sommer ist die Welt ja häufig voll von Glück. Doch erinnerte es ihn immer daran, dass ihm selbst ein Puzzlestück zu fehlen schien.

Eines Tages hatte der Poet sich plötzlich verliebt, in eine der Blumen, die auf dem Felde stand, auf dem er oftmals  schrieb. Wie er ihr seine Liebe schrieb, freute er sich endlich einmal über diese schreiben zu können und er versuchte sogleich ein zweites Gedicht. Es gelang ihm nicht ganz so gut wie das erste und das dritte was fast schon wieder zu traurig. Blumen, das weiß jeder Mensch, verblühen und bestehen nicht einmal ein Jahr in ihrer Schönheit fort. Der Poet aber hatte es vergessen, Naturgesetze waren für ihn doch nur Grund zu schreiben, der Quell für neue Ideen. Wenn man nämlich so viel schrieb wie er, gehen einem irgendwann die Ideen aus, die Themen. Und so sucht er immer nach neuen Dingen. Bald schon schrieb er über einen Stein, der neben seiner Blume lag, dann über eine Ameise, für die der Stein ein Berg sein musste. So schrieb und schrieb der Poet und es wurde Winter und Blume und Liebe starben unter dem Schnee.

Lange weinte der Poet und er schrieb über seinen Tränen und die Ungerechtigkeit der Welt und über seinen Hass auf das Schicksal. Er schrieb und schrieb, bis wieder ein Sommer kam, dann wieder ein Winter und noch ein Sommer. Als es dann Herbst wurde, war viel von deiner Trauer aus ihm hinaus und hinein in seine Gedichte geflossen. Blumen müsste es noch mehr geben auf der Welt, sagte er sich und so lebt er weiter, indem er beschloss durch die Welt zu wandern, um noch mehr sehen und so noch mehr schreiben zu können.

Es vergingen viele Tage, bevor er das erste Mal Rast machte und als er an einem klaren Brunnen versuchte seine Wasserflasche zu füllen lernte er eine Muse kennen. Musen waren seinerzeit rar geworden. Die Menschen waren es gewohnt sich nur um sich selbst zu kümmern, reich zu werden, berühmt oder mächtig. Musen, die Inspiration als Teil ihres Selbst sahen, verdienten schlecht, es war eine brotlose Kunst. Ab und an spendete jemand, der Wohlgefallen an ihnen fand, etwas Geld oder Essen - und davon mussten sie leben. So war der Poet überrascht eine ihrer Zunft zu erblicken. Fast hätte er sie übersehen, so unscheinbar war sie. Irgendwie klein, aber auch nicht, und von einer so einfachen Schönheit, dass der Poet verwirrt war. Er war so verwirrt, weil er keine Worte finden konnte und wie man sich denken kann, war er dies nicht gewohnt. So stand er da und ertappte sich dabei sie unhöflich anzustarren, bevor er beschämt zu Boden blickte. Er konnte ihr Lächeln nicht sehen und so ging er von dannen ohne an das Wasser zu denken und ohne zurück zu blicken.

Erst zwei Tage später merkte er, dass die Muse ihm folgte und das verwirrte ihn so sehr, dass er seine Richtung aus den Augen verlor und einige Stunden im Kreis lief. Stets blieb sie hinter ihm und als er irgendwann nicht weiter wusste wartete er, bis sie an seiner Seite war. Sie sagte nur „Du bist ein Poet“ und dann schwiegen beide eine lange Zeit, weil dem Poeten die Worte fehlten und die Muse ihn nicht stören wollte in seiner Wortlosigkeit.

Als er am Abend ein Feuer gemacht hatte, setzte der Poet sich seiner Gewohnheit nach hin um zu schreiben. Noch nie hatte jemand ihm direkt zugesehen und so zitterte seine Hand mit der Feder, die ansonsten unbewegt über dem Papier schwebte. Die Muse sah ihn an und lächelte und so schrieb er über ihr Lächeln. Doch als er fertig war, kam ein Windstoß und entriss ihm das Blatt, das an den Flammen vorbei in die Nacht verschwand. Nie erfuhr er wer seinen Text las. Es war der erste, der in eine Freiheit entflogen war. Und während der Poet noch nachdachte über seine Zeilen und über sie,  legte die Muse sich schlafen. Nur Minuten später wurde auch der Poet müde, trotz all seiner Gedanken. So ging er die Muse zudecken, mit der einzigen Decke die er besaß und legte sich selbst nahe ans Feuer, der Wärme wegen.

Wochen zogen ins Land in denen Muse und Poet gemeinsam, oftmals still, die Welt durchstreiften. Meist sprach sie nur dann, wenn er zu schreiben beginnen wollte und noch keine richtigen Worte fand. Oft genügte eine Geste von ihr, manchmal waren es aber auch kleine Geschichten und schon fielen die Gedichte wie Regentropfen auf des Poeten Papier. Sie wurde seine Muse. Und eines Tages schlug sie ihm vor einige seiner Gedichte in die Welt zu entlassen. „Sie brauchen Freiheit, weißt du? Und der Menschen wegen…“ dann schwieg sie wieder. Fortan ließen sie hier und dort Gedichte zurück, ohne zu wissen wer sie sie finden konnte, ohne zu wissen, dass manche die Finder zu Tränen rührten.

So ging es lange Zeit, bis der Poet eines Tages erwachte und seine Muse fort war. Er konnte ja nicht wissen, dass sie nur ein Bad nahm im nahen See, doch da bemerkte er, dass er sich sehnte nach ihr -  und er wusste, dass er sich verliebt hatte. Das Herz schien ihm aus der Brust zu springen, jetzt da ihn dieses Gefühl überkam und er sie gleichwohl verloren glaubte. Als er hinter einem Baum ihr Strahlen gewahr, wollte er nichts mehr als zu ihr zu gehen und sie zu umarmen, doch erinnerte er sich der Blume und so hatte er Angst.

Fortan war all seine Poesie für sie. Abend für Abend schwiegen sie nun, denn ihr Sein reichte ihm Gedicht um Gedicht zu schreiben. Wie üblich las sie seine Texte, wählte mit glänzenden Augen die schönsten aus, und gemeinsam entließen sie die Worte in die Freiheit. Mal um Mal fragte der Poet sich ob sie es ahnte, ob sie es wissen konnte, ob Sie die verborgene Zärtlichkeit finden und erkennen zu vermochte. Sie schwieg, ihre Gespräche blieben wortlos. Für die Muse gab es nichts zu sagen wenn er schreiben konnte, wenn ihm  das Glück der Momente aufs Papier zu bringen gelang erfüllte sie ihr Sein - und mehr brauchte sie nicht als Muse um sich glücklich und wohl zu fühlen. Der Poet hingegen wollte seine Gefühle nicht verbergen, wollte die Schönheit seiner Liebe zeigen, einzig die Angst hinderte ihn, es ihr einfach zu sagen. So schrieb er mehr und mehr seine Liebe auf. Sie las jedes Wort und schwieg lächelnd. Bald schon fand er auf seinen Blättern jene kitschigen Liebestexte, die er nie für möglich gehalten hatte. Er sah die Liebe so wie sie war, sah sie in seiner Muse, die er liebte. Menschen, die nun seine Texte fanden, konnten wie er alles sehen in der Welt, selbst solches das sich verborgen hatte in Trauer oder Furcht. Manche folgten sogar der Spur aus freien Gedichten, um mehr sehen zu können, um Liebe finden zu können, ohne sie selbst je zu finden.

Über ein Jahr verging in dem der Poet fast nur für seine Muse schrieb, ihr zu zeigen was er meinte. Als Muse wusste sie um jedes seiner Worte und dem Warum, doch schwieg sie des alten Gesetzes wegen, dass eine Muse einen Poeten nicht lieben durfte und er nicht sie. Als sie eines Nachts dalag, am Feuer, und er glaubte sie schliefe schon, wollte der Poet nicht länger warten und ihr seine Liebe auf die Haut hauchen, in einem unschuldigen Kusse zur Nacht. Sie rührte sich nicht, als seine Lippen über die ihren strichen, denn sie wusste, dass sie ihn küssen müsste, würde sie sich nicht selbst überreden schon zu träumen. Als Muse durfte sie keinen Poeten küssen, keinen Poeten  lieben, sie kannte die Regeln. Als er schlief schlich sie davon und ließ nichts zurück außer schweigenden kleinen Tränen, die schnell im Erdreich verschwanden.

Als der Poet erwachte wusste er nicht, wie einst, ob seine Muse nicht nur gegangen war sich zu baden. Er wartete und sah den Vögeln zu, in ihrem wirren Spiel, das sie in den Wipfeln der Bäume trieben. Schneller als er es bemerkte, obwohl er seine rasenden Herzschläge zählte, wurde es wieder Abend und der Poet ging unruhig auf und ab. Dabei vergaß er ganz zu dichten, die erste Nacht seit Jahren verging, ohne dass ein Papier gefüllt wurde mit seinen Worten.

Am nächsten Morgen versuchte er ihren Spuren zu folgen, während Sekunde um Sekunde sein Herz zu Staub zerbrach. Hier und dort fand er Fußspuren oder einen gebrochenen Ast, doch wiesen sie ihm keine Richtung, nichts dem erfolgen konnte, so dass er erst jede Hoffnung und dann sich selbst verlor. Wie viele Tage er suchte, nicht schrieb, wusste er nicht. Selbst sein alter Freund der Mond konnte es nicht sagen, denn die Welt schwieg nun und er war wie blind. Er sah nichts als Sie vor seinem inneren Auge und ohne zu sehen konnte er nicht schreiben. Seine Hände zitterten. Nicht über Papiere huschen zu können setzte ihnen zu. Worte stauten sich auf in ihm. Kleine Welten wuchsen heran und zerfielen wieder, ohne je gesehen zu werden.

Als er irgendwann wieder zu schreiben begann, schrieb er nur um sie zu finden, schrieb er über seine Sehnsucht, seine Liebe, seine Suche. Jedes Gedicht entließ er in die Freiheit, damit seine Muse es finden konnte, warten konnte, oder wenigstens wissen konnte, dass er sie suchte. Er legte eine Spur aus Poesie und wusste nicht, dass es seine Liebe, seine Sehnsucht war, die sie weiter fort trieb von ihm. Er schrieb so viel wie nie zuvor, an jeden Baum hängte er all seine Liebe, jedem Menschen den er traf gab er wortlos ein vollgeschriebenes Papier. Er gewöhnte sich sogar an im Gehen zu schreiben und dennoch jedes Gesicht zu sehen, um seine Muse nicht zu verpassen. So sehr er Menschen sein Leben lang gemieden hatte, so sehr suchte der Poet nun ihre Nähe. Als Muse, so dachte er, lebte sie davon Menschen zu inspirieren. In der Einsamkeit würde sie nicht lange bleiben.

Jedes Dorf, jede Stadt überschwemmte er mit Texten, jeder sollte es wissen, sollte ihre Schönheit erkennen können, es ihm sagen, wenn sie gesehen wurde. Bald schon war der Poet weithin bekannt, jeder Mann, jede Frau, sie alle kannten seine Poesie, wussten um seine Suche, kannten die Geschichte vom Poeten und seiner Muse, die er liebte. Doch niemand niemand konnte ihm helfen. Bald vergaß der Poet wie Liebe aussah, der graue Staub in seiner Brust rieselte dann und wann aus seinen Augen hinaus. Langsam verlor er das was einst sein Herz war auf dem Weg und den Weg selbst verlor er ebenso. Einsam, verloren, durchstriff er die Welt. Von einer Einöde zur nächsten gelangte er, mehr als ein toter Wald wurde zu einem anderen Leben erweckt, durch seine Poesie an jedem Stamm.

Als er durch eine Welt voller Dornen wanderte, verlor er seinen Mut, bei einer Rast. Er ließ ihn einfach liegen, auf einem Stein, und später konnte er ihn nicht wiederfinden. Seine Kleider hingen in Fetzen, von dem bisschen Leib, das ihm noch blieb, zu lange hatte er nichts gegessen, nichts getrunken. Blutstropfen sammelten sich auf seinen Füßen. Der Himmel war nur noch grau. Tag und Nacht gab es nicht mehr, keine Vögel sangen und kein Gedicht das er schrieb konnte ihn glücklich machen. Alle Fülle war ihm gewichen, er war leer. Nur anderen gab er manchmal einen Sinn, jenen, die seine hohlen Worte lasen, jenen die nicht verstanden. Er war allein, jetzt wo so viele ihn kannten, hatte er ihnen nichts zu sagen und musste doch suchen. Er spürte, dass er ohne es selbst zu merken, sein Leben und seine Seele in seine Liebe gelegt hatte. Alles in ihm starb. Die große Sanduhr der Gezeiten stand nicht still. Nicht für ihn, nicht für seine Muse, gleichwohl ihrer beider Geschichte schon unsterblich war.

Der Poet wusste, dass sein Weg kein weiter mehr sein konnte, dass seine Schritte ihm ausgingen, wie seine Worte es taten. Es lag nur ein einziges winziges Dorf in seiner Nähe, wo ihn niemand kannte, dorthin wollte er gehen, um noch einmal unter Menschen seine Spur zu legen. Nicht für sich, nur für sie war er noch. Er wusste sie würde wollen, dass er schrieb bis nichts mehr war von ihm, so dass andere es lesen, dass andere sehen konnten, was er selbst nicht mehr sah. So setzte er sich an einen Brunnen, benetzte sich die Lippen mit der Kühle, ohne zu trinken.

Als seine Feder auf das Papier traf, überkam den Poeten die dunkle Ahnung, dass es sein letztes Gedicht sein könnte. Das letzte Mal, dass er ihr sagen konnte, dass er sie liebte und geliebt hatte, vom ersten Augenblicke an. So schrieb er pure Liebe auf dreckig löchriges Papier, mit zitternder Hand und all jenem was ihm geblieben war von seinem Herzen. Wer ihn sah erkannte wie die Farbe dieser Welt aus ihm wich. Er wurde grau wie der Tag, selbst die Füße, rot von Blut, waren bald schwarz-weiß. Auf den Rand der steinernen Brunnenmauer legte er das Blatt, bückte sich, nahm ein Kiesel, beschwerte sein Werk, und wollte noch einmal den Himmel betrachten, ob grau oder nicht. In den Augen jener die ihn anstarrten, sah er sein eigenes Wesen, erkannte er die Sandkörner, die ihm entglitten.

Fast hätte er sie übersehen, so unscheinbar war sie. Irgendwie klein, aber auch nicht, und von so einfacher Schönheit… und dann dieses leichte Lächeln, dieses Strahlen, das die Welt war für ihn. Alle sahen es. Seine Feder fiel  lautlos zu Boden.

Glück ist dieses Gefühl, ist dieser Moment, ist das Sein, ist das was dir passiert, ist das was du erschaffst. Es ist eines von diesen Dingen, die so schwer zu erklären sind – eben darum schreiben wir darüber, um uns selbst zu erklären, uns selbst zu finden, uns selbst zu sagen, was dieses seltsame Ding „Glück“ eigentlich ist.

Als leidenschaftlicher Pokerspieler, denke ich bei Glück an Karten, an Adrenalin, an das Unwissen darüber, was meine Kontrahenten auf der Hand haben, an den Moment, in dem die letzte Karte umgedreht wird. Wer lernt wie man pokern, lernt zuerst eines: Texas Hold’Em ist kein Glücksspiel. Es ist ein Spiel von Statistik und Psychologie. Es hängt also vom eignen Können ab, ob man gewinnt oder verliert – und vom Können der jeweiligen Gegner. Gute Karten gewinnen statistisch öfter als schlechte Karten. Mit ein wenig Mathematik, lässt sich schnell errechnen wie gut oder schlecht die Chancen darauf sind aus seinen Handkarten etwas „zu machen“ – oder wie man im Pokerjargon sagt „zu treffen“. Glück und Pech, sind eigentlich ausgeschlossen, insofern dass auf lange Zeit die Statistik immer Recht hat. Dies kann jeder nachprüfen mit dem einfachen Münzwurf-Versuch. Lieg Kopf oben – oder Zahl? Die Chancen stehen 1:1, es müssten also gleich oft Kopf, sowie Zahl oben liegen, wenn die Münze nicht von einem Schelm manipuliert wurde. Faktisch wird man in der Tat 5 oder 6 Mal Zahl nacheinander werfen können. Erst eine große Anzahl an Münzwürfen wird zu einem tatsächlichen Verhältnis von 1:1 führen. Was wäre also Glück beim Pokern? Glücklich wäre es, wenn die Chancen gegen mich stehen, ich statistisch wahrscheinlich verliere – und dann doch einmal gewinne. Es geschieht äußerst selten – aber es passiert. Pech wäre es wiederrum, wenn die Chancen hoch zu meinen Gunsten sind und mein Gegner am Ende doch eine von zwei möglichen Karten aus 52 bekommt, die er braucht – sehr unwahrscheinlich, aber möglich.

Nun bin ich nicht nur Pokerspieler sondern auch Poet mit Leidenschaft. Schöne Worte gehören zu meinem Sein, auch wenn sie durchaus mal tragisch sein können. Als Poet läge mir nun nichts ferner als Glück über eine Statistik zu beschreiben. Glück ist so viel mehr. Glück ist ein Gefühl, es ist das Gefühl, dass mir nichts fehlt, dass es mir nach nichts verlangt, dass meine Seele und meine wirren Gedanken ruhen können in dem Moment. Es ist das, was in mir ist.

Glück ist aber auch das was mir geschieht, meist dann, wenn ich es am wenigsten erwarte. Es ist das richtige Lächeln zur rechten Zeit, es ist bemerkt zu werden, in dem Moment, in dem ich mich unsichtbar fühle. Es ist – eben auch – der Moment, der statistisch unwahrscheinlich ist. Und weil es mir geschieht, weil es auf mich trifft, fließt es in mich hinein. Das was von außerhalb mit mir passiert, wird zu dem was innerhalb mit mir passiert. Glück ist Innen – und es kann von Außen kommen – doch nicht nur.

Glück kann auch aus mir heraus kommen. Wenn ich jeden Abend melancholisch vor meinen Texten sitze, mit einem Glas Wein in der Hand, die Einsamkeit umarme und sie zu meiner einzigen Begleitung durch die Dunkelheit wird, dann wird mich das Glück in seiner bunten Art kaum treffen können, verstecke ich mich doch beinahe davor. Schmerz gehört manchmal dazu, vor allen Dingen auch als Künstler, denn Künstler sind schließlich merkwürdig, nicht wahr? Was nun klingt wie Unglück, kann aber auch Glück sein. Was klingt wie Trauer kann auch Genuss ebendieser sein. Wenn ich alleine einen weiten Weg gehe, mit mir und meinen Gedanken, klingt es für die meisten Menschen wie eine schrecklich anstrengende und sogar unnötige Sache. Mich macht es jedoch glücklich. Glück ist also höchstpersönlich, es ist nicht messbar für andere Menschen, nur ich selber, nur du selbst, wir entscheiden jeder einzelne, was Glück ist für uns. Niemand kann einem anderen Menschen verwehren etwas als Glück zu empfinden. Reichtum, Macht oder Schönheit sind die angesehensten Wege zum Glück. Armut, ein Leben das kein konkretes Ziel verfolgt, ein Einsiedlerdasein, auch diese – ungewöhnlichen – Wege können glücklich machen.  Die eigene Einstellung macht das Glück aus, eigene Bedürfnisse, die Sehnsucht, derer wir uns nicht erwehren können.

Glück ist, wenn statistisch unwahrscheinliches passiert, das für mich günstig ist. Glück ist das Gefühl, wenn meine Seele, meine wirren Gedanken, ruhen können. Wenn ich so leben darf wie es gut ist für mich, wenn ich das tue was meine Sehnsucht ist. Und letztendlich bin ich nicht nur Pokerspieler und Poet, sondern auch kitschig und verliebt. Sie ist Glück, die eine, wunderschöne Dame. Auch sie ist Glück – mein Glück.

Das Projekt #Poesie365 ist am 27.10.2010 gestartet. Jeden Tag wird im Rahmen dieses Projekts von mir ein Gedicht veröffentlicht und vertont. Die Gedichte findet ihr dann - ganz gewöhnlich - auf meiner Homepage.
Wer immer auf aktuellem Stande sein möchte folgt mir am Besten auf Twitter - @Cadmiel. Dort poste ich jeden Tag die Adresse des neuesten Gedichtes sobald es online gestellt wurde.

Bisher sind folgende Texte erschienen

27.10.2010 Nummer 1 - Des Nachts
28.10.2010 Nummer 2 - Regengrau
29.10.2010 Nummer 3 - Ungewetter
30.10.2010 Nummer 4 - Gleichung
31.10.2010 Nummer 5 - Umzug
01.11.2010 Nummer 6 - Du bist echt - Für Anja
02.11.2010 Nummer 7 - Nur ein halber Tag
03.11.2010 Nummer 8 - An einen Freund
04.11.2010 Nummer 9 - Ich weiß grad nicht
05.11.2010 Nummer 10 - Stillstand
06.11.2010 Nummer 11 - Wir sind hier
07.11.2010 Nummer 12 - Am Morgen noch
08.11.2010 Nummer 13 - Gute Nacht gezeichnet
09.11.2010 Nummer 14 - Unpoetisch
10.11.2010 Nummer 15 - Grauer Tag
11.11.2010 Nummer 16 - Mein Bildnis
12.11.2010 Nummer 17 - Paradies
13.11.2010 Nummer 18 - Flügel
14.11.2010 Nummer 19 - Immer mehr Geschichten
15.11.2010 Nummer 20 - Es ist Nichts
16.11.2010 Nummer 21 - Ehemals wir
17.11.2010 Nummer 22 - Dieses Seelen-Ding
18.11.2010 Nummer 23 - Herzschläge, die treffen
19.11.2010 Nummer 24 - Sehnsuchtsferne
20.11.2010 Nummer 25 - Kein Licht
21.11.2010 Nummer 26 - Endlose Welt
22.11.2010 Nummer 27 - Farbenfroh
23.11.2010 Nummer 28 - Schattensehnsucht
24.11.2010 Nummer 29 - Kein Stein auf dem anderen
25.11.2010 Nummer 30 - Sprache der Wolken
26.11.2010 Nummer 31 - Kompass
27.11.2010 Nummer 32 - Wenn ich ihn sehe
28.11.2010 Nummer 33 - Nur ein Spiel
Über ein Ende

Weiterlesen...

Für Cookie ...

Weiterlesen...

Einleitung
So baue ich mir ein Schild (spontan)
"Ich traue mich nicht" - Anfangsschwierigkeiten überwinden
Das Vorgehen - Der Kodex
Der Umgang mit den Tränen
Der Umgang mit Kritikern

Gratis Umarmungen – Free Hugs

Die Kampagne ‚free hugs‘ ist in Kanada entstanden, der erste Hugger war Juan Mann. Die Grundidee der kostenlosen Umarmungen ist ihm aus der eigenen Erfahrung entstanden, dass man manchmal einfach eine Umarmung braucht. Das Leben ist nicht immer schön und gerade dann liegt oft die menschliche Nähe nicht auf der Straße. Hugger möchten Liebe, Nähe, Zuneigung und Spaß an andere Menschen weitergeben, auf eine ungewöhnliche Art, genau dort wo sie sonst nicht ist: Überall auf der Straße.

Mit größeren oder kleineren Schildern laufen Hugger durch belebte Straßen. Auf den Schildern steht ‚free hugs‘(gratis Umarmungen) – und genau das wird angeboten. Jeder der möchte bekommt eine kostenlose Umarmung. Für viele wird damit die christliche Idee der Nächstenliebe weitergegeben. Jeder kann eine solche Umarmung bekommen. Hugger machen keine Unterschiede zwischen großen, kleinen, dicken, schlanken, altem oder jungen Menschen. Viele Leute verstehen genau das nicht. „Umarmst du auch alte Damen?“ höre ich – wenn ich im Einsatz bin – mehrmals täglich. „Natürlich!“ ist meine selbstverständliche Antwort. 


Weiterlesen...

Heute war mal wieder ein Tag an dem ich feststellen musste, dass ich zwar einiges getan habe, der Stapel auf dem steht: "muss dirgend erledigt werden" aber nicht auch nur ein bisschen kleiner geworden ist. 

Mein kleines Zimmer ist nun etwas ordentlicher - zugegeben das ist eine gute Sache für weitere Arbeiten.
Meine Playlist ist auch wieder auf dem aktuellsten Stand - so muss ich nicht nach guter Musik zum arbeiten suche wenn ich dann mal angefangen habe.
Die Bücher in meinem Regal sind nun ordentlich thematisch sortiert.
Und einige davon müsste ich eigentlich auch noch lesen (aber so dringend ist das eigentlich nicht ...).
Auch habe ich wieder alle Mails brav beantwortet, die wichtigen Blogs gelesen, mir Gedanken gemacht wie ich meine Homepage weiterführen soll.
habe mich den Abend mit einer Freundin per SMS unterhalten.
Und sogar ein wenig für ein Referat gelesen.

Dennoch ist es wirklich erstaunlich wie viel putzen, ordnen, nachdenken, schreiben, chatten, telefonieren, anschauen, durchlesen, sinnieren, reden, zuhören  oder einfach nur dumm rum sitzen mir einfällt wenn ich eigentlich wichtige Dinge für die nächste Woche zu erledigen habe. Die mache ich nun wohl oder übel wieder am Montag - auf den letzten Drücker wie man so schön sagt. Doch dafür muss ich ja auch noch meinen Rucksack packen, der könnte mal wieder aufgeräumt und sortiert werden jetzt wo ich drüber nachdenke ... und eigentlich muss ich auch dringend noch jonglieren lernen und drei Freunde anrufen ... warum ich morgen wieder zu spät kommen werde?
Nunja es gibt ja noch so viel "wichtiges" zu tun  .... oder etwa nicht?

Ach da hätte ich ganz vergessen, irgendwann wollte ich auch noch mal etwas nur für mich tun ... so aus Spaß für diejenigen von euch die noch wissen was das ist. Ein Glas Wein am Abend kann sie nicht zurück geben diese Freiheit des Seins. Wo genau sie verschwunden ist?
Ich schätze sie steckt  am Sekundenzeiger der Uhr aufgespießt und wundert sich wie ich es schafgfe jede einzelne Sekunde zu verplanen und doch nichts außerordentliches zustande zu bringen. 

Der Psalm 23 in einer eigenen ... Aktualisierung :) Dieses war eine Aufgabe in einem Theologieseminar. Dies ist keine richtige Übersetzung sondern nur auf meine eigene Wahrnehmung bezogen.

Weiterlesen...

Ein Tag fürs Lernen


Aufstehen. Frühstücken ... sogar mit Joghurtmüsli. Abwaschen. Ab in die Bibliothek. 2 Stunden lang ein Referat vorbereiten und immer noch irgendwie gute Laune haben. Schon zu diesem Zeitpunkt weiß ich dass der Tag sehr lang wird. Inzwischen ist es knapp 23 Uhr und fertig bin ich wohl noch lange nicht. Natürlich, nein, um Gottes Willen heute werde ich nicht alles machen, wie auch, heute hat nur noch knapp eine Stunde Zeit die mir gestohlen werden kann. 

Weiterlesen...