Glück ist dieses Gefühl, ist dieser Moment, ist das Sein, ist das was dir passiert, ist das was du erschaffst. Es ist eines von diesen Dingen, die so schwer zu erklären sind – eben darum schreiben wir darüber, um uns selbst zu erklären, uns selbst zu finden, uns selbst zu sagen, was dieses seltsame Ding „Glück“ eigentlich ist.

Als leidenschaftlicher Pokerspieler, denke ich bei Glück an Karten, an Adrenalin, an das Unwissen darüber, was meine Kontrahenten auf der Hand haben, an den Moment, in dem die letzte Karte umgedreht wird. Wer lernt wie man pokern, lernt zuerst eines: Texas Hold’Em ist kein Glücksspiel. Es ist ein Spiel von Statistik und Psychologie. Es hängt also vom eignen Können ab, ob man gewinnt oder verliert – und vom Können der jeweiligen Gegner. Gute Karten gewinnen statistisch öfter als schlechte Karten. Mit ein wenig Mathematik, lässt sich schnell errechnen wie gut oder schlecht die Chancen darauf sind aus seinen Handkarten etwas „zu machen“ – oder wie man im Pokerjargon sagt „zu treffen“. Glück und Pech, sind eigentlich ausgeschlossen, insofern dass auf lange Zeit die Statistik immer Recht hat. Dies kann jeder nachprüfen mit dem einfachen Münzwurf-Versuch. Lieg Kopf oben – oder Zahl? Die Chancen stehen 1:1, es müssten also gleich oft Kopf, sowie Zahl oben liegen, wenn die Münze nicht von einem Schelm manipuliert wurde. Faktisch wird man in der Tat 5 oder 6 Mal Zahl nacheinander werfen können. Erst eine große Anzahl an Münzwürfen wird zu einem tatsächlichen Verhältnis von 1:1 führen. Was wäre also Glück beim Pokern? Glücklich wäre es, wenn die Chancen gegen mich stehen, ich statistisch wahrscheinlich verliere – und dann doch einmal gewinne. Es geschieht äußerst selten – aber es passiert. Pech wäre es wiederrum, wenn die Chancen hoch zu meinen Gunsten sind und mein Gegner am Ende doch eine von zwei möglichen Karten aus 52 bekommt, die er braucht – sehr unwahrscheinlich, aber möglich.

Nun bin ich nicht nur Pokerspieler sondern auch Poet mit Leidenschaft. Schöne Worte gehören zu meinem Sein, auch wenn sie durchaus mal tragisch sein können. Als Poet läge mir nun nichts ferner als Glück über eine Statistik zu beschreiben. Glück ist so viel mehr. Glück ist ein Gefühl, es ist das Gefühl, dass mir nichts fehlt, dass es mir nach nichts verlangt, dass meine Seele und meine wirren Gedanken ruhen können in dem Moment. Es ist das, was in mir ist.

Glück ist aber auch das was mir geschieht, meist dann, wenn ich es am wenigsten erwarte. Es ist das richtige Lächeln zur rechten Zeit, es ist bemerkt zu werden, in dem Moment, in dem ich mich unsichtbar fühle. Es ist – eben auch – der Moment, der statistisch unwahrscheinlich ist. Und weil es mir geschieht, weil es auf mich trifft, fließt es in mich hinein. Das was von außerhalb mit mir passiert, wird zu dem was innerhalb mit mir passiert. Glück ist Innen – und es kann von Außen kommen – doch nicht nur.

Glück kann auch aus mir heraus kommen. Wenn ich jeden Abend melancholisch vor meinen Texten sitze, mit einem Glas Wein in der Hand, die Einsamkeit umarme und sie zu meiner einzigen Begleitung durch die Dunkelheit wird, dann wird mich das Glück in seiner bunten Art kaum treffen können, verstecke ich mich doch beinahe davor. Schmerz gehört manchmal dazu, vor allen Dingen auch als Künstler, denn Künstler sind schließlich merkwürdig, nicht wahr? Was nun klingt wie Unglück, kann aber auch Glück sein. Was klingt wie Trauer kann auch Genuss ebendieser sein. Wenn ich alleine einen weiten Weg gehe, mit mir und meinen Gedanken, klingt es für die meisten Menschen wie eine schrecklich anstrengende und sogar unnötige Sache. Mich macht es jedoch glücklich. Glück ist also höchstpersönlich, es ist nicht messbar für andere Menschen, nur ich selber, nur du selbst, wir entscheiden jeder einzelne, was Glück ist für uns. Niemand kann einem anderen Menschen verwehren etwas als Glück zu empfinden. Reichtum, Macht oder Schönheit sind die angesehensten Wege zum Glück. Armut, ein Leben das kein konkretes Ziel verfolgt, ein Einsiedlerdasein, auch diese – ungewöhnlichen – Wege können glücklich machen.  Die eigene Einstellung macht das Glück aus, eigene Bedürfnisse, die Sehnsucht, derer wir uns nicht erwehren können.

Glück ist, wenn statistisch unwahrscheinliches passiert, das für mich günstig ist. Glück ist das Gefühl, wenn meine Seele, meine wirren Gedanken, ruhen können. Wenn ich so leben darf wie es gut ist für mich, wenn ich das tue was meine Sehnsucht ist. Und letztendlich bin ich nicht nur Pokerspieler und Poet, sondern auch kitschig und verliebt. Sie ist Glück, die eine, wunderschöne Dame. Auch sie ist Glück – mein Glück.