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Dumpfes Nachtlicht flackert in den alten Röhren | Drucken |  E-Mail
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Dumpfes Nachtlicht flackert in den alten Röhren. Die Luft ist längst schon so abgestanden, dass man kaum noch atmen mag. Unsichtbare Gitterstäbe halten mich immer noch hier fest. Die Gedanken schwimmen nur noch unsinnig umher. Mine Augen erkennen mich selbst nur noch als diffusen Schatten. Beinahe bin ich hier gar nichts mehr. Die Neonröhren führen vor meinen Augen einen skurrilen Tanz auf. Die kleinen Lichtblitze brennen sich irgendwo in mein Bewusstsein.
Ab und zu weckt mich eine dunkle Stimme aus meiner Trance, ich weiß nicht einmal ob es nur eine Erinnerung an meine eigene Stimme ist, oder ob sie einem Fremden gehört … oder einer Fremden. Solche Kleinigkeiten sind nicht mehr wichtig hier. Vielleicht sollten sie wichtig sein, vielleicht waren sie auch mal wichtig. Vielleicht wäre eine solche Kleinigkeit sogar die Lösung zu allem hier. Durch das kleine, milchige Fensterglas fällt noch immer schwaches Mondlicht. In der vollkommenen Dunkelheit des Neonlichtgeflackers ist das Mondlicht oft der einzige Schimmer hier, hinter den Blitzen immer vorhanden.
Traurige Bilder hängen irgendwo an den Wänden. Nur ab und an spiegelt einer der gläsernen Rahmen das Mondlicht wieder, oder die Blitze des Neonlichtes. Auch sie sind nicht viel mehr als Schatten, nicht viel mehr als Nichts, gerade noch genug um etwas zu sein. Irgendwo bei ihnen stehe ich, an dieser Grenze ins Nichts, und kann sie doch nicht sehen.
Kann sich Nichts gegenseitig sehen?
Weiß die Dunkelheit dass sie dunkel ist?
Am Rande nehme ich wahr, dass mein Körper leicht zittert. Es gibt hier keine Decken, und der Jahreszeit nach muss es wohl sehr kalt sein. Vielleicht wäre die Luft besser wenn man das Fenster öffnen würde ... das Fenster, irgendetwas war damit nicht in Ordnung das letzte Mal. Obwohl sich alle meine Gedanken träge um das Fenster scharen fällt es mir nicht ein. Die Luft war anders gewesen und das Neonlicht nicht nötig. Ein kalter Schwall von Erinnerungen gießt sich in meinen Kopf. Kalt und unpersönlich, als wenn sie nur ein schlechtes Theaterstück auf einer nackten Bühne wären. Ich sehe ihnen zu wie andere tauben auf der Straße füttern, völlig abwesend, in den Himmel starrend. Sie starren in den Himmel. Ich beobachte das Flackern des Lichtes. Einen Himmel gibt es hier nicht. Der Mond ist als einziges Überbleibsel vom Himmel geblieben … woran er hängt Weiß ich nicht mehr, alles nur diffuse Schatten, dazwischen ganz selten die Erinnerung an Sterne. Meine Gedanken haben sich wieder irgendwo in der Unendlichkeit verheddert. Gefangen in einer unbekannten Anziehungskraft.
Die Neonröhre setzt wieder einmal vollkommen aus. Ich verschmelze wieder einmal mit den Schatten, werde selbst zu diesem Nichts dass sich selbst nicht Erkennen kann. Wieder ein Mondlichtsüchtiger, da das Mondlicht ist das Einzige ist was anders scheint, dass mehr ist als nur eine Selbstverleugnung. Meine Augen werden grau, dass Mondlicht wird grau, die Bilder werden grau, die Unendlichkeit ist schon grau … eine unaufhaltsame Dunkelheit, der letzte Augenblick der Farbe in einem Mondstrahl verblasst. Sekunden der Verzweiflung überschwemmen mich. Sekunden der Angst lassen mein herz aussetzen. Atemlos im eiskalten Blitzlichtgewitter der Neonröhren. Haltlos in den Schatten. Tränenlos weinend ziehe ich mich selbst hinüber in die Stille, ziehe mich selbst hinüber in die Schatten.


© by Dennis Welz
 
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